Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sieht es als selbstverständlich an, Schülerinnen und Schülern, die neu zugewandert sind, den Schulbesuch zu ermöglichen und ihnen die Chance zu geben, integriert zu werden und einen Schulabschluss zu erreichen. Zur Integration gehört für uns vor dem Hintergrund unseres Leitbildes neben dem Spracherwerb auch die Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe und die Entwicklung zum mündigen Bürger sowie Toleranz. Unsere Schule nimmt daher seit mehreren Jahren Schülerinnen und Schüler in den Regelunterricht auf, die zuvor an anderen Schulen Deutsch gelernt haben. Seit Mai 2015 gibt es auch an unserer Schule eine Seiteneinsteigerklasse (SE).

Die oben genannten Ziele werden an unserer Schule in zwei Stufen umgesetzt:

  1. Stufe: Seiteneinsteigerklasse
  2. Stufe: Eingliederung in Regelklassen

Stufe 1: die Seiteneinsteigerklasse

In der ersten Stufe nehmen die Schülerinnen und Schüler am Unterricht in unserer Seiteneinsteigerklasse (SE) teil. Ziel dieser Stufe ist der Spracherwerb auf der Stufe A2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens und die Begleitung bei der kulturellen Integration, sodass am Ende der i.d.R. 6-12 monatigen Dauer dieser Phase die Teilnahme am Regelunterricht möglich sein wird. 

Die Gruppe besteht aus maximal 20 Schülerinnen und Schülern aller Alterststufen und ist auch von der Leistungsfähigkeit und den Herkunftsländern heterogen. Dadurch sind auch die Sprachbarrieren sehr unterschiedlich. Einige wenige Schülerinnen und Schüler kennen z.B. noch nicht das lateinische Alphabet, andere sprechen dagegen bereits eine germanische Sprache als Mutter- oder Fremdsprache, andere haben schon geringe Deutschkenntnisse. Diese Gründe erfordern ein individuelles Arbeiten, wie beispielsweise Wochenplanarbeit.

Die Schülerinnen und Schüler der Seiteneinsteigerklasse werden hauptsächlich im Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) unterrichtet. Daneben wird Unterricht in den Fächern Mathe-Naturwissenschaften, einem musisch-künstlerischen Fach, Landeskunde und Sport erteilt. Einige Schülerinnen und Schüler werden zusätzlich in Englisch, Französisch und Mathematik unterrichtet, wenn dies die spätere Integration fördert.

Wenn das Sprachniveau A2 erreicht wurde, wechseln die Schülerinnen und Schüler in die Regelklassen. Das ist nicht immer an unserer Schule möglich, wenn z.B. die Klassenfrequenzhöchstwerte erreicht wurden oder die Schülerin oder der Schüler nicht für die gymnasiale Laufbahn geeignet scheint. Dies kann z.B. an der Leistungsfähigkeit oder an der Sprachenfolge liegen.

 

2. Stufe: Eingliederung in Regelklassen

Ziel der zweiten Stufe ist der Spracherwerb auf ein Niveau, das nahezu dem gleichaltriger Muttersprachler entspricht (C2) sowie eine umfassende kulturelle Integration.

Die Schülerinnen und Schüler sind in dieser Zeit festen Klassen zugeordnet und nehmen dort am Regelunterricht teil. Zusätzlich werden sie an zwei Nachmittagen im Fach Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, solange dies als notwendig erachtet wird. An der Anschlussförderung nehmen auch die Schülerinnen und Schüler teil, die die Regelklasse einer anderen Schule besuchen.

Im Regelunterricht können sich die Schülerinnen und Schüler zunächst erproben. Ein Zeugnis mit Noten, die versetzungsrelevant sind, erhalten sie anfangs noch nicht. Für einen gesicherten deutschen Spracherwerb im Fachunterricht ist die Kompetenz der Fachlehrerinnen und Fachlehrer für einen sprachsensiblen Unterricht notwendig. Dies ist ein zentraler Aspekt der Fachschaftsarbeit und der Fortbildungsplanung. 

In den Regelklassen werden den Schülerinnen und Schülern Ansprechpartner aus der Klassengemeinschaft zugeordnet, die neben ihnen sitzen, sie in die Klasse einführen und sie im Unterricht und in den Pausen unterstützen.

Begleitung:

Die Integration der neu zugezogenen Schülerinnen und Schüler wird durch die ganze Schulöffentlichkeit begleitet. Viele zweisprachige Eltern und Schüler haben sich bereit erklärt, bei Sprachschwierigkeiten zu übersetzen oder im Schulalltag zu helfen. Einige Eltern und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer unterstützen ehrenamtlich den Unterricht der Seiteneinsteigerklasse, sodass oft eine individuelle Betreuung möglich ist. Ein sehr wichtiger Baustein der Begleitung ist die Unterstützung durch andere Schülerinnen und Schüler, die jeweils als Paten zugeordnet sind. Die Paten sind in einer AG organisiert und werden durch unsere Sozialpädagogin begleitet. Sie kommen in Freistunden in die Klasse und begleiten diese bei Ausflügen und Feiern.

Die Gelenkstellen der Integrationsphase bilden die Aufnahme, der Wechsel in die Regelklassen und ggf. der Wechsel der Schulform. Diese Gelenkstellen werden von uns besonders beachtet und die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern dabei begleitet. Bei Elterngesprächen (z.B. bei der Aufnahme) kann ggf. eine Person von der Schule gesucht werden, die das Gespräch übersetzt. Zudem werden diese Phasen ggf. von der Sozialpädagogin begleitet, die die Eltern auch bei Anträgen für Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepacket unterstützt.

 

Integrationskultur

Da die Schülerinnen und Schüler in der 1. Stufe der Integrationsphase in einer separaten Gruppe unterrichtet werden, ist für die Integration eine Öffnung der regulären Schulstrukturen notwendig. Die Schülerinnen und Schüler der Seiteneinsteigerklassen sollen auch in dieser Phase die Möglichkeit haben, andere Schülerinnen und Schüler kennenzulernen und mit ihnen zu lernen oder die Freizeit zu gestallten. Daher ist es den Schülerinnen und Schülern der Seiteneinsteigerklasse möglich, an den AGs teilzunehmen, offene Angebote zu besuchen oder an Projekten teilzunehmen. Zudem partizipiert die Gruppe an Sportwettkämpfen, an den Projekttagen und an Schulfesten und –feiern.

In einigen Fällen können Schülerinnen und Schüler der Seiteneinsteigerklasse bereits am Unterricht eines Faches der späteren Regelklasse teilnehmen.

Um insgesamt an der Schule ein tolerantes und weltoffenes Klima zu fördern, ist die Schule Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Eine Arbeitsgruppe führt zu diesem Thema regelmäßig Aktionen durch.

Sprachenfolge

Für die Berechtigung zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe (Sek II) müssen die Schülerinnen und Schüler in zwei Fremdsprachen unterrichtet werden. An unserer Schule werden die Sprachen Englisch, Lateinisch und Französisch angeboten. In der Regel werden die Schülerinnen und Schüler in das Fremdsprachenangebot der Schule integriert und erhalten bei entsprechenden Leistungen am Ende der Sekundarstufe I die Berechtigung zum Übergang in die Sekundarstufe II. Besonders bei einer Eingliederung in höhere Jahrgänge ist dies jedoch nicht mehr möglich. In diesen Fällen kann eventuell eine Sprachfeststellungsprüfung in der Muttersprache eine Fremdsprache ersetzen. Da nur eine Fremdsprache ersetzt werden kann, können Schülerinnen und Schüler, die weder Englisch, Französisch noch Lateinisch gelernt haben, nicht an unserer Schule den gymnasialen Bildungsweg durchlaufen.

Leistungsbewertung

Ein reguläres Zeugnis mit einzelnen Fachnoten, die versetzungsrelevant sind, wird erst am Ende der Integrationsphase ausgestellt. Allerdings erhalten die Schülerinnen und Schüler auch zuvor ein Zeugnis zu jedem Halbjahr. Aus allen diesen Zeugnissen geht der Schulbesuch, der Stand des Spracherwerbs, die Fehlzeiten, das voraussichtliche Ende der Integrationsphase, Hinweise zum Arbeits- und Sozialverhalten und ggf. die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften sowie außerunterrichtliches Engagement hervor. In der ersten Stufe werden individuelle Textzeugnisse durch die Klassenleitung geschrieben. In der zweiten Stufe erhalten die Schülerinnen und Schüler die Zeugnisse von der Lehrerin oder dem Lehrer der Anschlussförderung. Daneben können auch Einzelnoten gegeben werden, wenn diese die Schülerinnen und Schüler positiv motivieren.

Für die Leistungsbewertung im Fach Deutsch als Fremdsprache werden mehrere schriftliche Tests und mündliche Prüfungen absolviert. Ein Abschlusstest in den Bereichen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben wird für die jeweiligen Niveaustufen A1 und A2 abgenommen. Die Leistung wird nach dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen ausgewiesen. Die Leistungsbewertung im Fachunterricht orientiert sich an den Kriterien der einzelnen Fächer.

Evaluation und Qualitätssicherung

Die Arbeit in der Seiteneinsteigerklasse wird regelmäßig mit allen Beteiligten besprochen. Angestrebt wird ein regelmäßiger Austausch einmal pro Monat. Dabei wird neben einer Aussprache über die Schülerinnen und Schüler auch über strukturelle Stärken und Schwächen dieses Konzeptes gesprochen. Da sich die Gruppengröße, die Zusammensetzung und die Herkunft ständig ändern, muss auch dieses Konzept flexibel sein und den Gegebenheiten angepasst werden.

Wir bemühen uns momentan um eine wissenschaftliche Begleitung der ersten Stufe durch die Universität Duisburg-Essen, sodass uns eine externe Rückmeldung gegeben werden kann.

Unsere Erfahrung mit der zweiten Stufe der Integration ist noch sehr jung. Daher wird es regelmäßig eine Aussprache auf den Lehrerkonferenzen und in den Fachkonferenzen geben, um den Fortbildungsbedarf feststellen zu können und das Konzept zu modifizieren und auszubauen.

Um den Kommunikationsfluss zu sichern und Prozeduren mit guter Erfahrung beizubehalten, werden für die Aufnahme und den Übergang in die Regelklasse Checklisten geführt, die nach jedem Durchgang überarbeitet werden.

Personen im SJ 15/16

  • Die Integration der neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium wird insgesamt von Herrn Wölke (stellv. Schulleiter) koordiniert.
  • Die Klassenleitung der Seiteneinsteigerklasse wird von Frau Breitenfeld und Frau Sandt gebildet.
  • Die Anschlussförderung wird von Frau Hollinger durchgeführt.
  • Die Sozialpädagogin ist Frau Hackländer.

Alle Personen sind über das Sekretariat erreichbar.

Hinweise zu den Lehrwerken und zu den Unterrichtsinhalten finden sie auf der Seite der Fachschaft.

 

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